Oktober

Liebe Diezerinnen und Diezer,

der Herbst ist gekommen und mit ihm die Zeit, in der viele Menschen gerne spazieren gehen und wandern. Was nach den heißen Sommermonaten für Körper und Geist eine Erholung wäre, lässt uns in diesem Jahr aber nicht wirklich aufatmen. Zu viele Schäden durch Trockenheit und Schädlingsbefall werden in den Wäldern deutlich.   

Am 07. September fand eine Stadtratssitzung statt, in der Revierförster Johannes Betz über den Zustand einiger sehr beliebter Waldstücke und –wege in Hain und Vorderwald berichtete, und der Bericht war desillusionierend: Die Raupe der Miniermotte lässt die Blätter der Kastanienbäume vertrocknen; für die Bäume beginnt dadurch der Herbst viel früher, so dass ihnen acht bis zehn Wochen Photosynthese fehlen, die sie für ihren Erhalt und ihr Wachstum benötigen.  

Deutlich wird dies in der Kastanienallee im Hain. Rund um die „Teufelskanzel“ sind die Buchen geschädigt - der dadurch verstärkt mögliche Astbruch kann für Mensch und Tier gefährlich werden. Eine annähernd 200 Jahre alte Buche ist gleich mehrfach betroffen.  

Durch jahrelange extreme Trockenheit sind bereits Teile der Buche eingetrocknet, der Borkenkäfer führt zum Absterben der Borke und die Weißfäulepilze zum Verlust der Stabilität des Baumes. Aufgrund ihres Drehwuchses kann sie nicht für wirtschaftliche Nutzung verwendet werden - abgesehen davon wäre es sehr traurig, diese und weitere alte Buchen fällen zu müssen. 

Im Vorderwald gibt es ähnliche Probleme.  

Der Vorschlag aus der Sitzung, sich bei einem Waldbegang vor Ort ein Bild zu machen, wurde am 16. September umgesetzt. Auch einige interessierte Bürgerinnen und Bürger waren bei der Begehung im Hain dabei. Die Anwesenden zeigten sich sehr erschrocken, und es wurden Maßnahmen diskutiert, wie man auf diesen Zustand reagieren sollte.      

Als Sofortmaßnahme sind bereits seit einiger Zeit mehrere Wege gesperrt. Dennoch waren hier Spaziergänger unterwegs. Deshalb hier meine dringende Bitte an alle: die Absperrungen haben ihren Grund! Es ist zu gefährlich, derzeit dort spazieren zu gehen, Äste können abstürzen und Menschen verletzen, vielleicht sogar lebensgefährlich.  

Also bitte beachten Sie die Absperrungen, und betreten Sie bitte nicht diese Gebiete!   

Und an dieser Stelle kommen wir zum nächsten Punkt:  

Eigentlich gehören Kastanienallee und weitere Waldgebiete im Hain dem Bund. Vor 62 Jahren allerdings wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Stadt Diez ein Vertrag geschlossen, ein sogenannter „Gestattungsvertrag“, in dem geregelt ist, dass die Stadt Diez für die Verkehrssicherheit sorgt und dafür im Gegenzug diese Waldgebiete nutzen darf. Wir überlegen nun seitens der Stadt, diesen Vertrag zu kündigen, müssen uns allerdings erst über die Konsequenzen informieren, bevor wir diesen Schritt gehen.   

Seit 1987 besteht außerdem eine Rechtsverordnung, die den Hain als Erholungswald definiert und damit der Stadt ebenfalls Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen auferlegt. Auch hier wäre zu überlegen, ob der Wald nicht umgewidmet werden sollte. Die Verkehrssicherungspflicht der Stadt würde in dem Fall auf bestimmte Bereiche reduziert. In den anderen Bereichen würde der Wald auf eigene Gefahr betreten, auch kranke Bäume könnte man dort stehen lassen, so dass der Wald sich selbst regulieren könnte.  

Wäre es nicht an der Zeit, dass die Menschen mehr Rücksicht auf den Wald nehmen, anstatt ihn immer wieder den Bedürfnissen des Menschen unterzuordnen ?  

Eine derzeit praktikable Lösung stellt die Verlegung von Wanderwegen dar. Der Lahnwanderweg ist teilweise bereits verlegt. Auch die Umgehung der Teufelskanzel wäre möglich und würde den Spaziergängern sogar neue Perspektiven eröffnen.  

Es wäre schön, an dieser Stelle Anderes berichten zu können, aber es ist leider so wie es ist. Im Moment müssen wir reagieren und mit den Schäden leben. Aber wir müssen daran arbeiten, dass mittel- und langfristig der Schadstoffausstoß gedrosselt wird, und wir es schaffen, die Temperaturen zu senken, um Klimawandel und Trockenheit zu begrenzen - damit wir unsere Natur und unseren Lebensraum erhalten!   

Ich wünsche Ihnen und euch allen dennoch gute Herbstwochen, wir sehen uns!  

Herzlichst,

Annette Wick
Stadtbürgermeister

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