Aktuelles Objekt des Monats
März 2026
Kinosteuer-Abrechnungen der Freiendiezer Skala-Lichtspiele, 1957-1960
„Das war aber nicht vergnügungssteuerpflichtig!“ – Im aktuellen Sprachgebrauch ist die Vergnügungssteuer noch lebendig. Unter den kommunalen Steuereinnahmen aber spielt sie inzwischen kaum noch eine Rolle und wird in der Verbandsgemeinde Diez nur noch auf „Spielgeräte mit und ohne Gewinnmöglichkeit“ erhoben.
Vor einigen Jahrzehnten war das noch anders. Besteuert wurden unter anderem Tanzveranstaltungen, Variétés und Discotheken. Auch die Kinos mussten Vergnügungssteuer auf jede verkaufte Eintrittskarte zahlen. Der Steuersatz wurde nach der Qualität des Filmes bestimmt, wofür die Filmbewertungsstelle in Wiesbaden als zuständige Behörde verbindliche Vorgaben machte. Sie vergab Prädikate – oder auch nicht. Filme von höherer Qualität bekamen das Prädikat „wertvoll“ oder „besonders wertvoll“. In den 1950er und 60er Jahren erhob die Stadt Diez für diese Kategorie einen Steuersatz von 6%, während für Filme ohne Prädikat ein Steuersatz von 20% zu entrichten war. Zu den „Hauptfilmen“ wurde in den Kinos kürzere sogenannte „Beifilme“ von ebenfalls geprüfter Qualität gezeigt.
Eine Sammlung von Steuerabrechnungen der „Skala-Lichtspiele“ aus den Jahren 1957 bis 1960 gibt einen kleinen Einblick in das Filmangebot dieser Zeit. Im Obergeschoss des Freiendiezer Gasthauses „Schmidt‘s Eck“ wurden damals Filme gezeigt, die heute kaum noch jemand kennt: der italienische Spielfilm „Guten Tag! Herr Elefant!“ aus dem Jahr 1952, die Dokumentarfilme „Wahlverwandtschaft“ von 1952 oder „Geld, das Segen bringt“ von 1951. Diese Filme trugen das „Prädikat wertvoll“. Der schon 1943 gedrehte Western „Die Hölle von Oklahoma“ mit John Wayne hingegen erhielt kein Prädikat, dafür aber der Beifilm „Milch für dich“. Gemeinsam wurde dafür ein Steuersatz von 15 % fällig.
Ähnliche Filme konnte man sich auch in den anderen Diezer Kinos anschauen. Neben den „Skala-Lichtspielen“ gab es die „Markt-Lichtspiele“ und das „Viktoria“ am Anfang der Wilhelmstraße. Die „Skala“ bestand nur bis in die frühen 1960er Jahre, und auch die übrigen Diezer Kinos sind schon lange geschlossen. Der Filmkonsum verlagerte sich in größere und luxuriöser ausgestattete Häuser und – mit der Verbreitung des Fernsehens, der Videogeräte und später der Streamingdienste – ins private Heim.
