Oktober 2026
Reise-Farbkästchen mit zwei Paletten, frühes 19. Jahrhundert
Mit Beginn der Rheinromantik im frühen 19. Jahrhundert setzte ein regelmäßiger Tourismus an den Mittelrhein und an die Lahn ein, der sich mit wenigen Brüchen bis heute fortsetzt.
Zu den frühen Touristen im Rhein- und Lahntal gehörten englische Bildungsreisende, darunter auch Malerinnen und Maler. Sie waren teils professionell, teils als Amateure unterwegs, um Zeichnungen und Gemälde von den besuchten Orten und Landschaften anzufertigen. Mangels zuverlässiger Infrastruktur konnten sie die nötigen Malwerkzeuge nicht erst am Reiseziel kaufen, sondern mussten alles, was sie benötigten, selbst mitführen. Deswegen war es wichtig, dass ihre Ausrüstung möglichst klein, leicht, kompakt und robust war.
Ein Aquarellfarbkästchen englischer Herkunft, zu dem zwei kleine Malerpaletten gehören, führt diese Eigenschaften beispielhaft vor Augen. Das schmucke Mahagoniholzkästchen ist im geschlossenen Zustand 22 cm breit, 7 cm hoch und 19 cm tief. Innerhalb dieser Maße konnte fast alles untergebracht werden, was man zum Malen brauchte. Im oberen Fach wurden in vorgeschriebener Anordnung die gepressten Blöcke der Aquarellfarben aufbewahrt, außerdem Schälchen zum Anrühren der Farben und weitere kleine Gegenstände. In einer darunter liegenden, sehr flachen Schublade fanden Paletten, Pinsel und Stifte Platz. Gegebenenfalls konnte man dort auch Papierbögen unterbringen, denn die Bildformate der reisenden Malerinnen und Maler waren nicht selten sehr klein.
Ein reich ornamentiertes Etikett auf der Innenseite des Deckels verweist auf die in London ansässige Herstellerfirma, W. J. Reeves & Woodyer, Superfine Colour Manufacturers, Hoflieferanten des Prince of Wales. Den Schriftzug umspielt eine symbolisch-allegorische Rahmung: Über allem thront die Figur der Britannia mit Füllhorn und Löwen, daneben und darunter Schiffe als Verweis auf den Handel, das Königswappen mit Sinnspruch des Hosenbandordens, Allegorien der Malerei und einiges mehr.
Das Aquarellfarbkästchen ist eine freundliche Leihgabe des Kunstsammlers Bernd Hardy. Es ist hier für die Dauer der Ausstellung „Lahnbilder und Lahnreisen“ zu sehen.
