September 2026
Ehrengabe für einen hohen Offizier der Kaserne Schloss Oranienstein
In privaten Nachlässen und regionalgeschichtlichen Sammlungen taucht immer wieder eine besondere Art von Objekten auf, die zur Erinnerung an gemeinsam verbrachte Zeiten, an besonderes Engagement oder an bestimmte Jubiläen hergestellt wurden: Es sind die Ehrengaben. Anlässe zu ihrer Überreichung sind Dienstjubiläen, runde Geburtstage, Abschiede, besondere Verdienste, hohe Besuche und ähnliches. Viele Ehrengaben sind Varianten von Geschirr und Besteck, z.B. Pokale, Zinnteller, Zinnlöffel, Bowleschüsseln oder Tassen. Es können aber auch Dolche, Medaillen, Anstecker, Modelle oder Bilder sein. Die Gemeinsamkeit dieser Dinge liegt darin, dass sie nicht zur praktischen Benutzung vorgesehen und meist dekorativ gestaltet sind. Man hängt sie an die Wand oder stellt sie an gut sichtbarer Stelle auf.
Es gibt einen Gewerbezweig, der Ehrengaben in Massenproduktion herstellt, um sie mithilfe einer Gravur oder sonstigen Inschrift jedem beliebigen Anlass anzupassen. Ein Wappenschild aus dickem Eichenholz mit allerlei aufgeklebten Gegenständen beweist jedoch, dass Ehrengaben auch sehr individuell sein können. Das betreffende Objekt ist das Geschenk an einen Offizier der Leitungsebene in der Kaserne Schloss Oranienstein, die er in den 1990er Jahren nach einigen Jahren Dienstzeit zur Verabschiedung bekam. Die Holzplatte ist Träger einer Objektcollage. Sie ist beklebt mit allerlei historischen Bruch- und Fundstücken aus der langen Geschichte Oraniensteins. Dazu gehört eine Fliese aus dem ehemaligen Kloster Dierstein, ein Stück Tapete, eine eiserne Blume, eine Gewehrpatrone, ein Schulterstück der NPEA, ein Wappen der 5. Panzerdivision... Ein begleitendes Schriftstückt listet die einzelnen Dinge auf. Sie kamen allesamt seit dem Jahr 1989 bei Renovierungsarbeiten zum Vorschein.
An einer geschmiedeten Eisenkette kann das schwere Wappen an der Wand aufgehängt werden. Die Kette verstärkt das insgesamt rustikale Erscheinungsbild der Anordnung. Dieser Stil steht ganz im Gegensatz zu demjenigen historischer künstlerischer Objektcollagen. Deren Früh- und Blütezeit war in der klassischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts, als DADA und Surrealismus die vorherrschenden Stile waren.

