Aktuelles Objekt des Monats

    August 2026 

    Epauletten für eine Uniform des 160er Infanterieregiments, um 1900

    Der Parade- oder Gesellschaftsanzug eines preußischen Offiziers der Kaiserzeit bot eine imposante Erscheinung. Die Tuchfarbe des Uniformrocks – womit die Jacke gemeint ist – war Preußischblau, ein erst seit dem frühen 18. Jahrhundert bekannter lichtbeständiger Farbstoff. Je nach Gattung, Dienstgrad und Funktion kamen auffällige Elemente hinzu: farbig abgesetzte Manschetten, polierte Metallknöpfe, Tressen, Gürtel, Schärpen und Orden. 

    Ein wichtiger Uniformbestandteil konnten die Epauletten sein. Dem Namen nach vom französischen «épaule» für „Schulter“ abgeleitet, betonen sie die Schultern und damit das männliche Körperbild eines Soldaten. Entsprechend wirkungsvoll konnten sie an einer Uniform in Erscheinung treten. 

    Die Gestaltung von Epauletten reicht vom einfachen Stoffbändchen bis zu kunstvoll kombinierten Arrangements mit Stickereien, Knöpfen und Metallbesätzen. Die Sammlungen der Stadt Diez erhielten kürzlich ein Paar hervorragend erhaltener Epauletten des (Rheinischen) Infanterieregiments 160. Es war von seiner Gründung im Jahr 1897 bis zur Auflösung Anfang 1919 in Bonn, Euskirchen und Diez stationiert. 

    Das blaue Stofffeld der Schulterstücke hat eine schmale, längliche, von silbernen Tressen eingefasste Form mit Knopfloch über dem Schlüsselbein, die in ein Oval mit der eingestickten Zahl 160 über der Schulter übergeht. Dieses Oval ist von einem sogenannten Halbmond aus poliertem Kupferblech eingefasst, von dessen Unterseite 150 Kantillen aus gewundenem Silberdraht über die Schulter herabhängen. Auf die Herstellung derart komplizierter Stoff-Metall-Kombinationen war die heute fast ausgestorbene Berufsgruppe der Posamentierer spezialisiert – häufig als Heimarbeit für die ganze Familie. 

    Die Epauletten sind eine Schenkung der kürzlich aufgelösten Diezer Kadettengarde, die sich der Pflege der militärischen Tradition in Diez verschrieben hatte. Für die Kadettengarde waren sie Teil einer Sammlung ausgesuchter Militaria mit Diezer Bezug, die ebenfalls den Städtischen Sammlungen übergeben wurde.



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