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Mittelalterliche Bodenfliesen aus dem Kloster Di(e)rstein

Von dem im frühen 12. Jahrhundert erbauten Benediktinerinnenkloster Dierstein ist bei oberflächlicher Betrachtung nichts mehr übriggeblieben. Nach der Reformation wurde es aufgehoben und spätestens der 30-jährige Krieg machte es vollends zur Ruine.
Für den Bau des Schlosses Oranienstein an gleicher Stelle sollte die Klosterruine entfernt werden. Doch bei den um 1670 beginnenden Abrissarbeiten stellte sich heraus, dass Teile des massiven alten Mauerwerks noch intakt und standfest waren. Da es ein überflüssiger Aufwand gewesen wäre sie zu entfernen, wurden sie in das neue Schloss integriert. Lose einzelne Bruchsteine konnten für den Neubau wiederverwendet werden. Auch mit dem restlichen Material ging man sorgsam um und sortierte einzelne künstlerisch bearbeitete Elemente, darunter keramische Bodenfliesen, zum Archivieren aus. Auf unbekannten Wegen gingen sie in privaten Besitz über und wurden später den Sammlungen der Stadt Diez vermacht. Die ausgestellten Fliesen aus dem Kloster Dierstein sind Teil einer Sammlung von 20 Exemplaren, die Georg Baltzer in den 1920er oder 30er Jahren dem Geschichtsverein übergab.  
Die Machart der Fliesen ist zeittypisch und ähnelt sehr den etwa zur gleichen Zeit hergestellten Fliesen der Klöster Brunnenburg und Arnstein. Sie bestehen aus ockerfarbenem oder grauem gebranntem Ton, der nicht allzu hart ist und entsprechend empfindlich gegen Abrieb war. Das Herstellungsverfahren der Fliesen war denkbar einfach: In die rund 20 bis 30 mm dicken Rohlinge aus weichem Ton wurden mit harten keramischen Modeln einfach gestaltete geometrische, florale oder figürliche Ornamente eingedrückt. Oft ergaben die im Verband verlegten Einzelfliesen gemeinsam ein größeres Ornament.
Im Rahmen der Sonderausstellung zur Nutzungsgeschichte Oraniensteins repräsentieren die Bodenfliesen den Ausgangspunkt der Entstehung und Entwicklung des Schlosses.

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