Die Diezer Altstadt


    Die heutige Altstadt liegt unterhalb der Diezer Burg und umfasst die Altstadtstraße, die Pfaffengasse, den Schlossberg und im Mittelpunkt den alten Markt.

    1329 bekam die Stadt die Stadtrechte verliehen und durfte zum Schutz eine Stadtmauer bauen mit fünf Stadttoren. Diese Mauer wurde als durchgehende Bruchsteinwand gebaut, über die ein durchgehender Wehrgang verlief.
    Die Stadtmauer wurde erst im 19. Jahrhundert abgebrochen, nichts desto trotz sind noch Reste der Stadtmauer zu finden.

    Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kamen die Fachwerk- und Steinhäuser auf. Steinhäuser konnten sich jedoch nur die wohlhabenden Bürger leisten. Bis ins 14. Jahrhundert waren die meisten Dächer noch mit Holz- oder Brettschindeln gedeckt und mit Steinen beschwert. Ziegel hatten nur die repräsentativsten Gebäude einer Stadt.
    Zur Zeit des ausgehenden Mittelalters entstanden die Häuser in der Altstadt, die durch steile Giebel auffielen, die mit Sichtfachwerk angelegt waren und auf die Größe des Anwesens hinwiesen.

    Die Schulstraße und die Kanalstraße bilden das sogenannte „Holländische Viertel“.

    Das wesentliche Gestaltungselement der kleinen Stadt Diez ist im 18. Jahrhundert der verlegte Lauf der Aar, deren Ufer von Bruchsteinmauern eingefasst wurde. Sie durchlief die neue Siedlung und hinterlässt heute noch den Eindruck einer holländischen Gracht. Drei Brückenbogen stellen die Verbindung von Straßenzug zu Straßenzug her. Der mittlere trägt die Initialen der Fürstin Amalia Anhaltina; zwei „A“ stehen für die Initialen und „1707“ für die Errichtung.



    Da die Fürstin Amalie den Waldensern freie Religionsausübung versprach, siedelten sie sich ab 1700 in Diez an, zumal sie ihnen Land und Holz zum Bau von Häusern zugesagte. Bauvorschriften der Verwaltung regelten das Aussehen der Häuser, die „in einer vorgegebenen Länge, Breite und Höhe“ errichtet werden mussten, um ein repräsentatives Aussehen zu bekommen. Die neuen Wohnhäuser wurden zumeist zweigeschossig mit Mansardendächern gebaut. Alle Fassaden sollten getreu der Bauvorschrift „nicht von Holz und Leim sondern von lauter Mauerwerk ausgeführt“ werden.

    Die Fassaden wurden verputzt, um den Eindruck von Steinbauten vorzutäuschen. Die einheitliche Gestaltung der Fassaden, gleiche Fensterabstände, durchgehende Traufen- und Fensterhöhen und gleiche Höhe der Mansardendächer tragen zum einheitlichen Charakter der Neustadt bei. Bis heute besonders gut erhalten sind die Gebäude in der Schulstraße und auf dem Marktplatz.

    Die erste Stadterweiterung ist die Bebauung der Wilhelmstraße. Fürstin Albertine Agnes versprach 1680 den bauwilligen Bürgern den Erlass der Gebäudesteuer für 20 Jahre. Der Baumeister Müller aus Gießen wurde mit der Planung befasst. Da die Diezer mit dem Bau neuer Häuser zögerten – der Dreißigjährige Krieg war noch in den Köpfen – verfügte die Fürstin, den Bauwilligen die Grundstücke zu schenken. Daraufhin wurde gebaut in zweigeschossiger Bauweise. Das bedeutendste Haus ist das ehemalige Gasthaus „Zum Grünen Baum“.

    Zwei zentrale Plätze, der Neue Markt und der Ernst-Scheuern-Platz, sowie die Kanal- und die Rosenstraße entstehen. Es werden 30 neue Häuser und die lutherische Kirche, die heute als katholische Kirche genutzt wird, erbaut.

    (Quelle: P.-G. Custodis u. F. Storto)


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